Seit nunmehr 33 Jahren lebt Familie Backeberg an den Spreewaldseen in Uetze so, wie andere wohl gerne Urlaub machen würden. Ihr Grundstück liegt idyllisch am Wasser und neben dem kleinen Steg ein Kanu. Wer hier wohnt, will wahrscheinlich nirgendwo anders wohnen. Das 1982 gebaute Haus mit einer Wohnfläche von 124 Quadratmetern sieht nicht nur modern aus, es ist es auch: Klimasplit-Wärmepumpen sorgen in der kalten Jahreszeit für behagliche Wärme und im Sommer ein angenehmes Wohnklima im Erd- sowie Dachgeschoss durch die Kühlfunktion. Selbst im zurückliegenden strengen Winter hatten es die Backebergs immer behaglich warm. Warmwasser,sämtliche Endgeräte im Haushalt und ebenso die beiden Autos der Backebergs sind strombetrieben. Fossile Brennstoffe – Fehlanzeige. Einen überwiegenden Teil des Stroms liefert die Photovoltaikanlage auf dem Dach, damit möglichst keine Energie im echten Wortsinn zum Fenster beziehungsweise zur Tür hinaus geworfen wird, haben Marion und Werner Backeberg Im Zuge ihrer energetischen Sanierung im Treppenaufgang Glasbausteine gegen eine moderne Fensterfront sowie die schlecht gedämmte Haus- und eine Nebentür ausgetauscht. Den (vorläufig) letzten Punkt bildet der Austausch von Fensterglas mit einem K-Wert von 3,6 (alt) auf 1,1 (neu) an der großen Fensterfront im Wohnzimmer in diesem Jahr. Anlässlich einer Veranstaltung zur Wärmeplanung der Gemeinde im Zusammenhang mit dem Programm „Mein Klimacoach“ der Klimaschutzagentur haben die Backebergs im Frühjahr die Türen ihres Wohnhauses für interessierte Besucher:innen geöffnet und so ein beeindruckendes Praxisbeispiel energetischer Sanierung geliefert.
Fläche und Wind für Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke
20 Jahre lang war Werner Backeberg Bürgermeister der Gemeinde Uetze mit ihren neun Ortschaften, noch heute sitzt er für die SPD in der Regionsversammlung. „Ich habe von Anfang an mit der Klimaschutzagentur zusammengearbeitet“, sagt er und erzählt nicht ohne Stolz, dass seine Gemeinde die erste Kommune mit einer eigenen Freiland-Photovoltaikanlage war und heute das Zweieinhalbfache ihres privaten und öffentlichen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien produziert. Photovoltaik, Windenergie und Biomasse stehen in Uetze in gleich zweierlei Hinsicht für Fortschritt „Wir haben Fläche und Wind – das ist unser Kapital in Sachen Klimaschutz im Einklang mit wirtschaftlicher Entwicklung“, so Backeberg. Irgendwann fragten er und Ehefrau Marion sich dann: „Was ist unser Beitrag zum Klimaschutz? Wir haben ja auch eine Verantwortung für die nachfolgenden Generationen.“ Ein Ausspruch Albert Einsteins, der im Garten der Backbergs an einem Schuppen zu lesen ist, scheint ihr Wegweiser: Alles Große in der Welt geschieht nur, weil einer mehr tut, als er muss.
Eine erste energetische Standortbestimmung gab es bereits 2010 sowie noch einmal vier Jahre später mit Unterstützung der Klimaschutzagentur Region Hannover, vor zwei Jahren dann machten die Backebergs „Nägel mit Köpfen“. Ein Energieberater erstellte einen so genannten individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP), es konnte losgehen. „Ich kann nur empfehlen, einen Energieberater oder eine Energieberaterin mit handwerklichem Hintergrund zu wählen“, sagt Marion Backeberg, „der weiß nämlich nicht nur was, sondern auch, wie es gemacht werden kann. Das zahlt sich ebenso aus wie die Zusammenarbeit mit richtigen Fachbetrieben.“ Ganz nebenbei: Diese Beratung wird zu 50 Prozent gefördert und gibt es noch einmal fünf Prozent Förderung, wenn ein:e Energieberater:in offiziell in die Sanierungsmaßnahmen mit eingebunden ist. Den kann die Klimaschutzagentur Region Hannover ebenso vermitteln wie Fragen zu den aktuellen Förderrichtlinien und -möglichkeiten beantworten.
140 Euro monatliche Energiekosten für ein ganzes Haus
Die Unterstützung der Klimaschutzagentur Region Hannover war für die Backebergs neben der rein fachlichen Kompetenz auch in noch anderer Hinsicht wichtig. „Sie hat uns Mut gemacht, das alles umzusetzen, uns immer bestärkt. Wir sind überzeugt, dass solche Projekte zusammen, mit einem Wir-Gefühl, am besten funktionieren. Abgesehen davon hat der Austausch auch immer viel Spaß gemacht.“ Gleichzeitig raten sie dazu, sich unbedingt auch selbst zu informieren, denn ihrer Erfahrung nach wissen auch gut ausgebildete Handwerker:innen nicht immer alles. Ihre Photovoltaikanlage inklusive Batteriespeicher liefert in der sonnenintensiven Zeit mehr Strom, als die Backebergs verbrauchen, überschüssige Energie speisen sie in das Stromnetz ein und bekommen sie vergütet. Lag der Jahresverbrauch beziehungsweise Bezug von Strom vor den Sanierungsmaßnahmen jährlich bei rund 15.000 kWh, sind es heute nur noch rund 6.500 kWh. An Stromkosten ergibt das nach Abzug der Vergütung monatlich rund 140 Euro. „Der Betrieb der Wärmepumpen sowie sämtlicher technischer Geräte und die Warmwasserbereitung sind darin ebenso enthalten wie der Strom für unsere beiden Autos.“ Mehr Kosten fallen nicht an. „Wärmepumpen und Photovoltaik sind in etwa acht Jahren refinanziert“, so Marion Backeberg, „doch selbst ohne Photovoltaik rechnet sich – rein wirtschaftlich betrachtet – diese Investition.“ Über eine Wallbox „tanken“ Marion und Werner Backeberg. „Unsere Autos fahren mit Sonnenenergie“, freut sich Marion Backeberg und hat am Steuer dann auch oft ein Grinsen im Gesicht. Sie und Ehemann Werner schätzen nicht nur ihre Unabhängigkeit in Sachen Energieversorgung als großen Vorteil, die damit verbundenen Einsparungen sehen sie auch als indirekten Beitrag zu ihrer Altersvorsorge. Dass ihre Aktivitäten auch in der Nachbarschaft nicht unbemerkt blieben und Vorbild für eigene Sanierungen sind, erfüllt die zwei auch ein bisschen mit Stolz. „Wir würden das jederzeit wieder machen, zuallererst natürlich für den Klimaschutz.“ Und: „Es muss ja auch nicht alles auf einmal sein, ein Fahrplan ist in jedem Fall sinnvoll.“
Die energetische Sanierung der Familie Backeberg im Überblick:
Wärmepumpe inkl. Handwerker: 20.000 €, davon gefördert: 11.000 €
Photovoltaikanlage inkl. Elektroarbeiten, Walbox, Speicher, Notstromanlage:
22.700 €, keine direkte Förderung, aber Erlass der Mehrwertsteuer von 19%
Austausch Glasbausteine gegen Fenster: 2.500 €, keine Förderung beantragt
Austausch Haustür: 5.000 €, keine Förderung beantragt
Austausch Nebeneingangstür: 5.000 €, davon gefördert: 1.000 €
Austausch Fensterglas Fensterfront Terrasse (für 2026 geplant):
5.000 € , davon gefördert: 1.000 €
Energieberatung: 1.700 € , davon gefördert: 1.020 € (aktuell 50 % Förderung)
Summe Investitionen: 61.000 €, Summe Förderung (inkl. MwSt-Erlass): ca. 18.000 €


