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Startschuss für Renaturierung im Oldhorster Moor
- 20.05.2026
- | Region Hannover
- Bedeutendes Projekt für den Klima-, Gewässer- und Naturschutz im Nordosten der Region
Das Oldhorster Moor wird langfristig wieder zu einer intakten Schwammlandschaft: Die Regionsversammlung hat die Verwaltung am 19. Mai damit beauftragt, die Renaturierung des Hochmoors einzuleiten. Ziel des Projekts mit einer Laufzeit von acht bis zehn Jahren ist es, Wasser länger in der Landschaft zu halten, den ökologischen Zustand der Wulbeck zu verbessern, Treibhausgasemissionen aus dem entwässerten Moor zu senken und Lebensräume für moortypische Arten zu schaffen.
Worum geht es beim Projekt im Oldhorster Moor?
Das Oldhorster Moor liegt im Bereich der Kommunen Burgdorf, Burgwedel und Isernhagen und bildet den Quellbereich der Wulbeck. Die Region Hannover will das Moor Schritt für Schritt renaturieren. Dafür sollen zunächst Untersuchungen, Planungen und ein geordnetes Beteiligungsverfahren starten. Mit einem Flurbereinigungsverfahren sollen anschließend die Besitzverhältnisse möglichst so neu geordnet werden, dass auf großen Flächen Maßnahmen zur Wiedervernässung des Moore durchgeführt werden können.
Jens Palandt, Erster Regionsrat sowie Umwelt- und Klimadezernent der Region Hannover, erklärt: „Mit dem Oldhorster Moor nehmen wir die nächste große Moorfläche in der Region Hannover in den Blick. Damit machen wir beim Klimaschutz und beim Schutz unserer Gewässer einen großen Schritt nach vorne: Intakte Moore sind riesige CO2-Speicher. Werden sie entwässert, kehrt sich diese Wirkung um: Der Torf zersetzt sich und setzt Treibhausgase frei. Nur wenn wir unsere großen Moore renaturieren, können wir klimaneutral werden. Gleichzeitig hilft die Wiedervernässung im Oldhorster Moor dabei, den Wasserhaushalt im Quellbereich der Wulbeck zu stabilisieren und ihren ökologischen Zustand langfristig zu verbessern.“
Wie ist die Situation im Oldhorster Moor?
Das Oldhorster Moor ist heute in weiten Teilen entwässert. Auf großen Bereichen steht Moorwald, außerdem durchziehen Gräben das Gebiet. Beides führt dazu, dass kaum Wasser zurückgehalten wird. Der Torfkörper trocknet aus und zersetzt sich. Im Gesamtgebiet entstehen dadurch derzeit rund 9.600 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr – das entspricht dem jährlichen Ausstoß von rund 3.500 Pkw.
Gleichzeitig gibt es im Oldhorster Moor bereits seit vielen Jahren großes Engagement für den Moor- und Naturschutz. Allein in der Saison 2025/2026 haben Ehrenamtliche bei 17 sogenannten Entkusselungsterminen junge Gehölze entfernt. Auch die Region Hannover hat in den vergangenen Jahren wichtige Vorarbeit geleistet und im Kernbereich des Moores große Flächen erworben – zuletzt rund 60 Hektar. Teilflächen des Moores sind deshalb in einem naturnahen Zustand. Das soll möglichst bald für den Großteil des Moors gelten.
„Ein Moor funktioniert nur dann als Moor, wenn der Wasserstand stimmt“, sagt Dr. Martha Graf, projektverantwortliche Moorexpertin in der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover. „Im Oldhorster Moor ist diese natürliche Schwammfunktion stark gestört. Gleichzeitig sehen wir dort seit Jahren, wie viel Menschen vor Ort für diesen besonderen Lebensraum tun. Dieses Engagement ist eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte.“
Welche Effekte soll das Projekt haben?
Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele: Der Wasserhaushalt im Quellbereich der Wulbeck soll stabilisiert, der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und der Lebensraum Moor ökologisch aufgewertet werden. Dazu sollen unter anderem Gräben verfüllt, Staustellen und Verwallungen gebaut und die Ortsentwässerung aus Neuwarmbüchen umgeleitet werden. Die Maßnahmen werden so geplant, dass für angrenzende Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen im Umfeld keine Nachteile oder Gefährdungen entstehen.
Nach derzeitiger Einschätzung können durch das Projekt jährlich rund 6.200 Tonnen CO₂-Äquivalente vermieden werden. Das entspricht ungefähr den jährlichen Emissionen von 3.000 Benzin-Pkw.
Wie werden Eigentümer*innen, Kommunen und Verbände beteiligt?
Die Region Hannover setzt auf frühzeitige und umfassende Beteiligung. Erste Termine haben bereits stattgefunden, darunter eine Abstimmung mit dem Unterhaltungsverband Wietze, Landwirt*innen sowie Vorstellungen in den Fachausschüssen in Burgdorf, Burgwedel und Isernhagen.
Mit dem nun erfolgten Beschluss der Regionsversammlung starten im Juni die Informationsveranstaltungen für Eigentümer*innen. Für betroffene Grundstücke setzt die Region auf flexible Modelle: Flächen können verkauft werden, alternativ sind auch Gestattungsverträge oder Flächentausche möglich. Begleitet werden soll das Projekt durch ein Flurbereinigungsverfahren, also ein behördlich geleitetes Verfahren zur Neuordnung der teilweise stark zersplitterten Flächen.
Jens Palandt verspricht: „Niemand wird vor vollendete Tatsachen gestellt, denn Moorrenaturierung gelingt nur mit den Menschen vor Ort. Wir haben in den vergangenen Jahren in anderen Mooren bereits Erfahrungen gesammelt und sind mit Transparenz und früher Information zu fairen Lösungen für die Eigentümer*innen gekommen. Wir wollen erklären, zuhören und die nächsten Schritte gemeinsam sauber vorbereiten.“
Wie ist der Zeithorizont?
2026 stehen zunächst Information, Untersuchungen und Monitoring im Mittelpunkt. Aktuell läuft eine hydraulische Studie zur Umleitung der Ortsentwässerung aus Neuwarmbüchen. Ab 2026 sollen außerdem Wasserstände im Moor gemessen werden.
Ab 2027 sollen die Wiedervernässungsmaßnahmen weiter geplant und Arbeitsstrukturen für das Verfahren aufgebaut werden. Für 2028 ist die mögliche Einleitung eines Flurbereinigungsverfahrens vorgesehen. Wasserrechtliche Genehmigungsverfahren könnten ab 2028/2029 folgen. Ein möglicher Beginn größerer Wiedervernässungsmaßnahmen ist ab 2030/2031 denkbar.
Ein konkreter Kostenrahmen für die Umsetzung soll nach Vorliegen der hydrologischen Gutachten und der Maßnahmenplanung vorgelegt werden. Bis dahin prüft die Region Hannover auch, ob Fördermittel von Bund oder Land genutzt werden können.
Wie fügt sich das Projekt in die Moorstrategie der Region ein?
Das Oldhorster Moor ist ein weiterer Baustein der Moorstrategie der Region Hannover. Bereits seit Jahren arbeitet die Region daran, Moore wiederherzustellen und damit natürlichen Klimaschutz, Wasserrückhalt und Artenvielfalt zusammenzubringen.
Ein zentrales Projekt ist LIFE+ Hannoversche Moorgeest. Seit 2012 stellen das Land Niedersachsen und die Region Hannover gemeinsam vier Moore wieder her: das Otternhagener, das Helstorfer, das Bissendorfer und das Schwarze Moor. Unterstützt wird das Projekt durch EU-Fördermittel. Insgesamt geht es um 2.243 Hektar Fläche. Das Projekt soll 2027 abgeschlossen werden.
2026 ist mit RePeat ein weiteres großes Moorprojekt angelaufen. In den kommenden Jahren sollen drei Moorgebiete in acht Regionskommunen wiederhergestellt werden. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 34 Millionen Euro. Davon trägt die Region Hannover 12 Millionen Euro, weitere 12 Millionen Euro kommen vom Land Niedersachsen als Projektpartner, 10 Millionen Euro steuert die EU bei. Hinzu kommen regionseigene Maßnahmen im Toten Moor.
Mit dem Investitionsprogramm Klima hat die Region Hannover außerdem langfristig Mittel für Moor- und Gewässerrenaturierung gesichert. 82,5 Millionen Euro stehen bis 2035 zur Verfügung. Ziel ist es, die natürlichen Kohlenstoffspeicher in der Region zu sichern, wiederherzustellen und die Landschaft besser auf Trockenperioden und Starkregen vorzubereiten.
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